19.06.2026 Clusters4Future
Viele Wege, ein Ziel: Wie Transfer zur Verstetigung von Zukunftsclustern beiträgt
Über welche Wege gelingt Transfer von der Forschung in die Anwendung oder in die Gesellschaft – und wie lassen sich diese Transferpfade für die Verstetigung eines Clusters nutzen? Über diese Fragen haben Vertreterinnen und Vertreter der 14 Zukunftscluster beim diesjährigen Erfahrungsaustausch in Frankfurt am Main diskutiert.
Im Mittelpunkt des Erfahrungsaustauschs stand die Frage, über welche Wege Transfer aus den Zukunftsclustern gelingen kann – und welchen Beitrag diese Wege zur Verstetigung leisten können. Der Transfer ist ein zentrales Anliegen der Zukunftscluster-Initiative des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Insgesamt betrachteten die Teilnehmenden sechs mögliche Transferpfade in Workshops, die jeweils einzelne Zukunftscluster vorbereitet hatten. Konkret ging es um Transfer über Kooperationen und über Forschungsinfrastruktur, über Köpfe und über IP-Regeln/Lizenzierung, über Gründungen und über Normen und Standards. Ein Ergebnis: Für praktisch keinen dieser Transferpfade gibt es eine Blaupause, die für alle Zukunftscluster funktionieren würde, aber in Teilbereichen profitieren immer einzelne von schon gemachten Erfahrungen.
Nach anderthalb Tagen war außerdem offensichtlich, dass fast alle Transferpfade einen Teil zur Verstetigung der Zukunftscluster beitragen können, gleichzeitig aber kein Transferpfad alleine die Verstetigung absichert. So wurde beispielsweise im Workshop über Forschungsinfrastruktur die Idee geteilt, große Forschungsgeräte gegen eine Gebühr der Industrie zur Verfügung zu stellen. Das mache niemanden reich, könne aber zwei bis drei Stellen finanzieren, die für die Koordination und Steuerung eines Clusters wichtig sind, so ein Fazit. Im Workshop über Standards und Normen wurde unter anderem herausgearbeitet, welche Rolle es für einen Zukunftscluster spielen kann, wenn er Standards setzt und so seine Position als „place to be“ seiner Branche festigt.
Eingerahmt wurde der Erfahrungsaustausch von zwei Keynotes, die den Blick auf Transfer und Innovationsökosysteme aus unterschiedlichen Perspektiven erweiterten: Dr. Martin Raditsch, Geschäftsführer der CARMA FUND Management GmbH, war früher unter anderem Manger des Spitzenclusters Forum Organic Electronics bzw. InnovationLab. Aus seiner Erfahrung in Wissenschaftstransfer, Clusterentwicklung und Venture Capital zeigte er auf, dass man Transfer gar nicht früh genug denken kann. Zum Abschluss brachte Robert Rudolph, Geschäftsführer des Switzerland Innovation Parks Innovaare eine internationale Perspektive ein. Er berichtete, dass die Schweiz einerseits immer noch viele Innovationsrankings anführt, andererseits aber auch vor Herausforderungen steht, den Transfer aus der Spitzenforschung in die Anwendung langfristig erfolgreich zu gestalten.
Der Erfahrungsaustausch war insgesamt geprägt von Offenheit und Vertrauen der Zukunftscluster untereinander, was sich auch beim abendlichen Netzwerken auf der Dachterrasse zeigte. Der gastgebende Zukunftscluster PROXIDRUGS nutzte außerdem die Gelegenheit, bei einer Führung durch Forschungslaboratorien Aspekte seiner Arbeit zu präsentieren. Dabei wurde unter anderem deutlich, welche Kraft in großen Kernspinresonanzspektroskopie (NMR)-Magneten stecken. Im Labor steht eine einmal fast in der Mitte geknickte Tür, die ein Bauarbeiter zu nah an einem der Magneten vorbei getragen hat (vgl. letztes Bild). PROXIDRUGS nutzt die NMR, um die dreidimensionale Struktur und Beweglichkeit von Proteinen in einer flüssigen Lösung zu entschlüsseln. Die Führung machte zugleich deutlich, welche hochspezialisierte Forschungsinfrastruktur in den Zukunftsclustern vorhanden ist – und war damit beispielhaft für einen der diskutierten Transferpfade.